Freiwilligenarbeit SRK

Tag der Kranken - Sonntag, 7. März 2021

In der ganzen Schweiz werden am Sonntag 7. März 2021, dem «Tag der Kranken», Veranstaltungen und Aktionen durchgeführt.

Motto 2021:
Verletzlich, aber stark

Krankheiten und Beeinträchtigungen schränken nicht nur körperlich ein, sie haben auch einen Einfluss auf unsere Psyche. Ob und wie stark eine Krankheit – oder eine Krise wie die
Corona-Pandemie – seelisch belastet, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die Fähigkeit, eine schwierige Situation zu meistern und aus dieser mit einem guten Selbstwertgefühl und manchmal sogar gestärkt herauszugehen, wird in der Fachwelt Resilienz genannt.
Die gute Nachricht: Diese Widerstandsfähigkeit ist von klein an bis ins hohe Alter lernbar. Es lohnt sich, in guten Zeiten in die Resilienz zu investieren.
Doch wie geht das und was können wir als Einzelne und als Gesellschaft tun?
Die Antwort lautet: Einiges!

Wir alle sind im Laufe unseres Lebens mit Krankheiten und Beeinträchtigungen konfrontiert – sei es als Angehörige, sei es, weil wir selber eine Diagnose erhalten oder einen Unfall erlitten haben. Gerade das Jahr 2020 hat gezeigt, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist und eine Krise, auch gesundheitlicher Natur, ganz plötzlich in unser aller Leben treten kann.
In solchen Momenten ist es wertvoll, wenn wir wissen, was uns guttut und was wir brauchen, um mit der veränderten Situation umzugehen. Wertvoll wäre es in diesem Zusammenhang, wenn wir als Gesellschaft mit den Themen Krankheit und psychische Gesundheit offener umgehen und über psychische Belastungen sprechen würden.
Denn auch unsere Gesellschaft wird widerstandsfähiger, wenn wir mit diesen Themen offen umgehen.

Das Immunsystem der Seele stärken

So wie wir das Immunsystem unseres Körpers stärken, können wir dies auch mit unserer Seele respektive unserer Psyche tun und widerstandsfähiger werden. Die Forschung zeigt,
dass es hierfür verschiedene Ansätze gibt, genauer gesagt acht Faktoren. Doch Resilienz zu entwickeln, ist keine Einzelkämpferhandlung: Ein wichtiger Aspekt ist die Gemeinschaft und das soziale Umfeld. Dazu zählen Freunde, Familie aber auch neue Kontakte, zum Beispiel mit Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen oder dieses bereits bewältigt haben. Studien zeigen, dass Menschen zufriedener sind und ihren Gesundheitszustand positiver wahrnehmen, wenn sie integriert und in die Gesellschaft eingebunden sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wahrnehmung der eigenen Emotionen: Ist man sich seiner Gedanken und Gefühle bewusst, kann man diese ausdrücken, einordnen
und sich damit auseinandersetzen? Menschen, die mit einer schwierigen Situation resilient umgehen, können sich selbst gut wahrnehmen und wissen, wann, wie und wo sie
sich bei Problemen Hilfe holen können bei anderen Menschen.

In guten Zeiten vorsorgen

Ein Resilienztest kann helfen, Stärken zu erkennen und die Psyche zu unterstützen. Er zeigt, in welchen Bereichen eine Person bereits gut aufgestellt ist und
welche Fähigkeiten und Kompetenzen noch erweitert werden könnten, um besser gerüstet zu sein.
Widerstandsfähigkeit ist also lernbar und kann selbst beeinflusst werden. Es gibt jedoch kein Patentrezept. Jede und jeder muss für sich herausfinden, was für das eigene
Wohlbefinden wichtig ist. Wer sich in guten Zeiten damit auseinandersetzt, was ihm oder ihr guttut, kann bei einer Krankheit oder einem Unfall darauf zurückgreifen. Experten raten beispielsweise eine Liste zu erstellen mit den Dingen und Handlungen, die hilfreich sind, wenn
man einen schlechten Tag hat, um sich selbst aufzubauen. An guten Tagen findet man hierzu mehr Ideen, als wenn man dasselbe in einer Krise tut, da man zugänglicher für Lösungen und Ideen ist. In der Krise fokussieren sich kranke Menschen und ihre Angehörigen oft nur noch auf das Problem und diejenigen Dinge, die nicht mehr gehen. Dabei gibt es bei allen Schwierigkeiten auch dann noch Dinge, die funktionieren und hilfreich sind.

Unterschiedliche Auswirkungen von Krankheiten und Beeinträchtigungen

Eine Auswertung der Daten des Schweizer Haushalt-Panel bestätigt internationale Studien:
Menschen reagieren psychisch unterschiedlich auf Krankheiten. Grundsätzlich lassen sich vier verschiedene Gruppen beobachten. Die erste und grösste dieser Gruppen reagiert resilient, d.h die Menschen weisen sowohl vor als auch während und nach der Krankheit keine starke psychische Belastung auf (im Falle der Schweizer Studie 54%). Bei der zweiten
Gruppe (9%) tritt kurz nach Ausbruch der Krankheit eine psychische Belastung auf. Nach einiger Zeit erholen sie sich, lernen mit der Krankheit umzugehen und entwickeln Werkzeuge, um die veränderte Situation zu meistern. Dieser Prozess führt dazu, dass die Resilienz gestärkt wird und auch in anderen Lebensbereichen genutzt werden kann.
Bei der dritten Gruppe (15%) tritt die psychische Belastung erst mit Verspätung auf, also erst einige Jahre nach Feststellung der Krankheit. Die letzte Gruppe (in der Schweizer Studie 22%) ist und bleibt psychisch belastet, wobei diese Belastung meist bereits vor der Krankheit vorhanden war. Was können wir daraus lernen?

Resilienz bei Behandlungen miteinbeziehen

Auch wenn unser Gesundheitswesen von hoher Qualität ist und die Patientinnen und Patienten im Krankheitsfall kompetent betreut werden: Fachpersonen tun gut daran, nicht nur die Behandlung der Krankheit, sondern den Menschen als Ganzes im Blick zu haben. Hierfür ist es wichtig, zuzuhören und die Situation wahrzunehmen. So sollten beispielsweise Stärken und Ressourcen, das psychische Befinden sowie das soziale Umfeld bei Gesprächen mit Patientinnen und Patienten explizit thematisiert und mitberücksichtigt werden.
Auch ist es für Fachpersonen aber auch für das Umfeld von kranken und beeinträchtigten Menschen wichtig zu berücksichtigen, dass psychische Belastungen nicht nur zu Beginn einer Krankheit auftreten, sondern auch erst in den Folgejahren. Es ist hilfreich, möglichst früh das Gespräch sowohl über die medizinischen Belange als auch über den Umgang mit der Krankheit innerhalb der Familie und des Freundeskreises zu suchen und aufrecht zu erhalten. Dabei gilt es auch Regeln der Kommunikation zu bestimmen, damit für beide Seiten klar ist, wann eine betroffene Person über die eigene Krankheit oder die belastende Situation sprechen möchte, und wann nicht.